Money on Her Mind

Money on Her Mind

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00:00:02: Und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Money on Hermain, dem Dekafinanz Podcast rund um Geld und Karriere-Themen.

00:00:26: Heute wollen wir über das Reformpaket in Deutschland reden, dass die deutsche Regierungskoalition Anfang Juli angekündigt hat.

00:00:33: Hat es Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und auch auf unsere Geldanlagen?

00:00:37: Und überhaupt warum sind Reformen eigentlich so wichtig?

00:00:40: Da ich weiß, dass das eines der Lieblingsthemen von meiner Kollegin Dekafolkswirtin Dr.

00:00:43: Gabriele Wiedmann ist, freue mich umso mehr Gabriele, dass du heute wieder dabei bist und ein bisschen Licht für uns ins Dunkel bringst!

00:00:50: Hallo, liebe Tanja.

00:00:52: Na klar!

00:00:52: Wenn es um Veränderungen und Reformen geht dann bin ich immer sofort dabei das weißt du.

00:00:57: Gabriele, durch bin mir sicher dass einige unserer Zuhörerinnen und Zuhörer noch nicht sich so ganz intensiv mit dem Reformpaket auseinandergesetzt haben.

00:01:05: kannst Du uns mal kurz zusammenfassen?

00:01:07: was sind denn die wichtigsten Elemente?

00:01:09: Als zuerst mal das Datum würde ich sagen.

00:01:11: in den ersten Juli tagen Haben die beiden Regierungsparteien oder eigentlich sind sie sogar drei, nämlich CDU CSU und die SPD gemeinsam vierunddreißig Einzelmaßnahmen veröffentlicht?

00:01:23: Und haben sich auf diese Maßnahmen verständigt aus dem Bereich Steuersystem Sozialpolitik Arbeitsmärkte und Bürokratieabbau.

00:01:34: Wenn ich jetzt mal so als Volkswirtin draufschau dann ist das geschnürte Reformpaket jetzt zwar nicht so der riesengroße Wurf, den viele Volkswirtinnen und Volkswirten erwartet hätten.

00:01:45: Aber es ist ein Ansatz!

00:01:47: Es sind Maßnahmen, es sind gute Ideen dabei und man muss ja immer sagen, dass eine Regierungskoalition die haben unterschiedliche Ziele.

00:01:54: wir sind in einer Demokratie also man darf sich auch nicht zu viel erhoffen.

00:01:59: Ich erinnere mich auch an vergangene Podcastaufnahmen, Gabriele.

00:02:02: Ihr Volkswirte habt ihr in den vergangenen Jahren immer wieder nach Reform gerufen.

00:02:07: Warum ist das denn für uns so wichtig?

00:02:09: Und die Frage ist echt gut.

00:02:11: Man denkt ja immer, wenn was gut ist dann kann man es auch laufen lassen.

00:02:15: Das Problem ist aber die Welt verändert sich und die Welt hat sich in den letzten Jahren Jahrzehnten gewaltig verändert.

00:02:22: Denkt nur wir hatten zuerst diese Globalisierung wo die ganze Welt zusammengewachsen ist also globaler Wettbewerb auch geherrscht hat.

00:02:28: China hat enorm aufgeholt und wenn man's ganz konkret anschaut das hat mein Kollege Andreas Scheuerle auch mal zusammengestellt gewissermaßen das deutsche Erfolgsmodell kopiert.

00:02:41: Die sind inzwischen gerade auch bei unserem Schlüsselindustrie so stark, so erfolgreich und sie machen das alles billiger.

00:02:47: wir haben einfach viel mehr Konkurrenz bekommen.

00:02:49: Und diese Veränderungen auf die muss man reagieren.

00:02:53: Das heißt es hat sich vieles eingespielt.

00:02:55: Man hat sich viele Wohltaten auch gegönnt in der Volkswirtschaft und jetzt muss man wieder schauen dass man in dieser veränderten Welt immer noch wettbewerbsfähig ist.

00:03:05: Und ganz konkret gesagt, wenn wir keine Reform durchführen dann verlieren wir Wettbewerbsfähigkeit und das wiederum heißt Wir haben weniger Wachstum, tendenziell höhere Arbeitslosigkeit.

00:03:15: Das tut allen weh.

00:03:17: Du hast vorher auch das Thema Sozialpolitik schon angesprochen.

00:03:21: da ist ja nicht nur die Wett bewerbswähigkeit das Argument oder?

00:03:23: Also man nimmt ja auch zunehmend in den Medien wahr und auch im eigenen Freundeskreis dass gerade jüngere Menschen sich viele Sorgen um das Thema Rente machen.

00:03:33: Die Sorgen sind zu Recht da.

00:03:35: Also sogar ich, ich bin ja siebenundfünfzig Jahre alt.

00:03:38: Ich habe theoretisch nur noch zehn Jahre bis zur Rente.

00:03:41: Sogar ich bin eher schon davon betroffen von dem Thema dass meine Rente tendenziell niedriger ist als die meiner Eltern beispielsweise also als Anteil an meinem Einkommen das sich erst letztes hatte bevor ich in die Rente gekommen bin.

00:03:53: und deine Generationen und erst recht noch die Jüngeren werden tendenziellen noch weniger Anteil kriegen vom Listennettoreinkommen was sie dann als Rente kriegen.

00:04:04: Deine Generation muss mehr sparen, damit sie dann privat vorsäugt.

00:04:08: Und gleichzeitig muss ihr aber die gebotten starken Jahrgänge auch finanzieren, damit die genug Rente kriegen können.

00:04:14: Also hier ganz besonders diese demografische Entwicklung eben das es immer weniger Jüngere gibt, aber dafür immer mehr Ältere.

00:04:22: Diese demografischen Veränderung ist eine Veränderungen, die Reformen unbedingt nötig macht.

00:04:27: Also nochmal zusammengefasst, demografischer Wandel.

00:04:30: Das bedeutet ja genau das dass es hierzulande immer mehr ältere und weniger junge Menschen gibt und eben genau das auch zum Problem bei der Rentenversicherung wird.

00:04:38: Und nicht nur da!

00:04:40: Nicht nur da Tanja?

00:04:41: Genau nämlich in der Krankenversicherung ist es eigentlich das gleiche Thema.

00:04:46: also bei den Rente kosten die älteren Menschen mehr Geld weil sie die Rente kriegen.

00:04:51: Und in der Krankenversicherung, je älter wir werden, desto mehr Krankheitskosten verursachen wir.

00:04:56: und dadurch dass nicht nur mehr Ältere jetzt da sind weil die geboten starken Jahrgänge in die Rnte gehen sondern das zweite ist auch noch die medizinische Versorgung wird besser aber auch teurer und das heißt all das macht dann die Gesundheitskosten so viel höher dass auch die Krankenkassen immer höhere Defizite haben.

00:05:14: die werden zum Teil durch Steuergelder bezahlt.

00:05:16: das kostet praktisch den Steuerzahler wieder Defizite, das funktioniert einfach nicht.

00:05:22: Sowohl die Rentenversicherung als auch die Krankenversicherungen können nicht laufend Defiziten erwirtschaften sondern man muss schauen dass man Einnahmen und Ausgaben wieder einigermaßen ins Gleichgewicht bringt.

00:05:34: Das bedeutet dann also es gibt ja immer zwei Möglichkeiten wie bei unserem privaten Budget.

00:05:37: auch wenn ich Schulden habe muss sich entweder schauen dass ich meine Einnahmen erhöhe oder dass ich meine Ausgaben senke.

00:05:44: und Einnahmen erhöhen bei Rentenversicherung, Krankenversicherung heißt höhere Beiträge.

00:05:49: Wer zahlt die Beiträge?

00:05:51: Die jüngeren Menschen, die Familien also die, die im Arbeitsleben sind Und diese sind ja eigentlich sowieso schon genug belastet.

00:05:57: Also muss man eigentlich an die Ausgabe dran und das heißt dann Rentenkürzen bzw Leistungen von der Krankenversicherung kürzen.

00:06:06: Der Punkt ist ja, das eine sind dann Privathaushalte, die natürlich darunter leiden wenn sie weniger Leistungen kriegen oder aber wenn Sie höhere Beiträge zahlen müssen.

00:06:15: Das zweite ist aber die Unternehmen leiden, wenn die Beiträge höher werden weil das sind alles ja dann wieder höhere Kosten und das heißt die leiden da nochmal mehr unter sinkender Wettbewerbsfähigkeit.

00:06:28: also wenn man es ganz klar formuliert Die Ausgaben müssen gesenkt werden, die Leistungen müssen verringert werden Aber das tut natürlich weh Und es ist trotzdem ein wichtiger Teil der Reformen.

00:06:40: Ich sehe das ein, dass das sinnvoll und notwendig ist wenn ich dir so zuhöre Gabriele.

00:06:45: aber niedrigere Renten und dann auch noch weniger Geld von der Krankenkasse.

00:06:49: Das heißt ja schon für viele Menschen am Ende ein bisschen weniger Geld.

00:06:53: Ja

00:06:54: und ein härteres Leben also zuerst mal ein schwierigeres Leben.

00:06:58: und das ist das größte Problem bei Reformen, dass in dem Augenblick wo sie durchgeführt werden gibt es schon viele die darunter leiden Und deshalb wollen auch die Menschen keine Reform.

00:07:09: Ich verstehe das vollkommen, weil es immer in der Gegenwart viele Verlierer gibt.

00:07:14: Die Zukunft wird dadurch besser.

00:07:15: Der zukünftige Wohlstand wird größer und das wird in der Zukunft auch wenn man das alles macht, wird's gerechter weil im die jüngeren Generationen nicht so sehr belastet sind.

00:07:23: Aber dieser Schmerz ist ja der Gegenwart und deshalb, wahrscheinlich haben wir auch im Podcast immer wieder drüber geredet oder in meinen Vorträgen sage ich das ganz oft Reformen kommen erst dann wenn der schmerz groß genug ist.

00:07:34: also wenn alle wissen jetzt haben wir so viele Probleme dass wir was machen müssen Dann sind die Menschen auch bereit dieses Leiden mal einbußen zu ertragen und vorher eher nicht.

00:07:45: Und wenn wir jetzt nochmal einen kurzen Blick in den Rückspiegel werfen, Gabriele.

00:07:48: Wann gab es denn das letzte Mal so richtig große Reformen in Deutschland?

00:07:52: Ich kann mich ehrlich gesagt gar nicht mehr so genau daran erinnern.

00:07:54: Dafür bist du vielleicht einfach zu jung.

00:07:57: Also ich bin halt genug.

00:07:59: lustigerweise war dass damals eigentlich so am Anfang meine Berufstätigkeit hier bei der Dekabank als Volkswirtin und zwar war das die Agenda.

00:08:07: Das war Anfang der Nuller Jahre Und ich habe damals noch bei uns als Deutschlandanalystin gearbeitet, Deutschland Europa und ich weiß noch wie wir völlig entsetzt waren.

00:08:17: Wie schlecht Deutschland damals darstand?

00:08:19: Wir hatten echt richtig hohe Arbeitslosigkeit das Wachstum war total lahm und hohe Arbeitslosigkeit.

00:08:25: Das merkt eine Bevölkerung und da weiß sie dann auch es muss jetzt was passieren.

00:08:30: Es war echt mutig.

00:08:30: die damalige Regierung hat diese Reformen durchgezogen.

00:08:33: Das war ein großes Paket, das war ein großer Wurf Und er hat im Nachgang auch dazu geführt, dass Deutschland wettbewerbsfähiger war und wachsungsstärker.

00:08:43: Klar in der Zeit waren natürlich auch noch mal der Schub von der Weltwirtschaft da.

00:08:47: Da hat Deutschland profitiert von dem Aufholen von China.

00:08:49: das war auch ein wichtiger Faktor.

00:08:51: aber dieser Agenda aus dem Jahr zwei tausend zehn hat funktioniert.

00:08:54: wir haben einen flexibleren Arbeitsmarkt bekommen und auch wieder stabilere Sozialversicherungen.

00:08:59: und allein diese Erfahrung dass man sich die auch wieder bewusst macht also das auch liebe Hörerinnen höre für euch nochmal Das hat damals funktioniert, das hat die Welt besser gemacht und die Zukunft besser gemacht.

00:09:09: Und dass wir das erlebt haben zeigt auch jetzt wenn wir den Mut haben für Reformen dann ist auch die Zukunft bessere.

00:09:16: wie müssen es tun?

00:09:17: Aber du hast ja ich glaube über vierunddreißig Punkte gesprochen Gabriela.

00:09:22: also sind nicht nur die Reform der Sozialversicherung was verbirgt sich denn noch so dahinter

00:09:28: ein Lieblingspunkt von mir das ist der Bürokratieabbau.

00:09:31: Also ich persönlich, und ich glaube viele von uns die wir jetzt hier zuhören oder auch im Alltag in Deutschland sind, ärgern uns über diese überbordende Bürokratie.

00:09:40: Was wir als Privatmenschen schon erleben ist ganz viel was wir am Alltag erleben in der Bürokratei und noch viel mehr was Unternehmen alles haben an, was sie alles an Berichtspflichten haben das sie in Zahlen liefern müssen, was alle nachmachen müssen.

00:09:54: Also gerade die Unternehmen müssen nachweisend wegen Mindestlöhnen, dass sie auch überall Löhne über den Mindestlohn zahlen.

00:10:01: Sie müssen nachweisen wenn sie Produkte beziehen das diese Produkte so irgendwo produziert wurden im Ausland, dass ja wirklich alle deutschen Regeln einhalten und da bis man das alles nachgewiesen hat bis ins letzte Glied.

00:10:11: Das kann wirklich Unternehmen zur Verzweiflung treiben Und kostet Unternehmen so viel Geld und so viel Zeit, dass sich ihre eigentlichen Aufgaben nicht mehr so viel zeit haben.

00:10:20: also das ist was ganz ganz Schwieriges das Unternehmen dann im Zweifelsfall sogar ins Ausland abwandern, weil sie sagen, dass halten Sie nicht mehr aus mit dieser Bürokratie.

00:10:29: Das hält sich ab vom Arbeiten.

00:10:31: Ich habe ja ein Lieblingsbeispiel und da geht jetzt auch die Regierung zum Glück dran nämlich, dass man egal wo man einkauft immer den Kassenbond ausgedruckt bekommt und mitnehmen muss.

00:10:41: Den wirft doch sofort jeder weg!

00:10:43: Die meisten nehmen ihn gar nicht mit.

00:10:44: Das ist wirklich nur Papierverschwendung, nur Energieverschwindung.

00:10:50: die Pflicht, den Kassenbohr auszudrucken.

00:10:52: Die soll zumindest wegfallen.

00:10:53: und viele andere Dinge eben auch wenn wir schon allein dran denken Bürokratie.

00:10:57: Wir leben in einem digitalen Zeitalter.

00:10:59: man könnte so viel auch gerade bei Behördengängen digital machen.

00:11:03: Auch da soll dies nochmal daran gearbeitet werden Und das wäre wirklich also das ist aus meiner Sicht schon was was auch allein fürs mentale fürs psychologische ganz viel ausmacht Wenn man sich dann nicht mehr so eingesperrt fühlt und so reguliert

00:11:16: Weil ich sagen muss, ich nehme ja auch nie den Kassenpunkt mit.

00:11:18: Weil du dir teilweise gerade auch an so selbst Checkout-Kassen mittlerweile wählen darfst ob du einen elektronischen oder händischen Beleg haben möchtest und ich nehm mich auch nicht mit.

00:11:30: also wenn das in Zukunft der Standard wird wäre ich auch sehr froh.

00:11:33: Ja darauf hoffen wir dass wenigstens das durchgesetzt wird.

00:11:36: Du hattest vorhin auch noch Steuern und Arbeitsmarkt als Reformbereiche genannt.

00:11:40: bist du da denn zufrieden mit dem Plänen?

00:11:43: noch ein bisschen weniger als bei den anderen, das bei den Sozialversicherungen und als bei der Bürokratie.

00:11:50: Gerade in Sachen Steuerreformen da wäre eigentlich ziemlich viel nötig gewesen auch beim Arbeitsmarkt und da ist die Region schon ziemlich deutlich hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben.

00:11:59: gerade so beim Thema Steuern.

00:12:01: man muss ja bedenken wir haben so ein progressives Steuersystem das heißt je mehr ich verdiene desto höher ist auch mein Steuerschatz.

00:12:08: also ich zahl dann überproportional mehr Steueren.

00:12:11: Dieses System ist eigentlich völlig okay, weil man sagt die Reicheren sind leistungsfähiger.

00:12:16: Können deshalb auch mehr zahlen?

00:12:18: Das Problem ist nur es gibt Inflationen und bei einer Inflasion da frisst mir ja die inflation weg von meiner Kaufkraft.

00:12:25: das heißt es müsste eigentlich bei diesem progressiven System jedes Jahr die Inflations rausgenommen werden damit nicht plötzlich die ganz normalen Kleinverdiener auch davon getroffen werden von dieser Progression.

00:12:37: Und dass wird nicht gemacht.

00:12:38: standartmäßig in manchen Ländern wird das gemacht Und jetzt hat man hier bei uns ein kleines bisschen von der Progression entschärft, aber eigentlich viel zu wenig.

00:12:46: Also die Inflation hat man da nicht berücksichtigt.

00:12:47: Das ist schade und insgesamt also gut daran ist gerade beim Steuersystem dass die Bezieher von kleinen mittleren Einkommen das die entlastet wurden?

00:12:57: Das ist gut und wichtig weil die sonst nicht mehr über die Runden kommen.

00:13:01: Aber dass man beim Spitzenssteuersatz noch mal was drauf setzen möchte wo man eigentlich weiß, dass die meisten von den richtigen gut verdienen.

00:13:10: Das sind meistens Unternehmer und Unternehmer müssen viel verdienen damit sie investieren können, damit sie ihren beschäftigten Geld geben können, Da hat man auch wieder das Thema Wettbewerbsfähigkeit leider zu viel ignoriert.

00:13:23: Und nochmal was, Hochverdiener sind eben nicht nur die bösen Reichen sondern Hochverdiener sind oft auch die unglaublich Leistungs- und Risikobereiten, die unsere Wirtschaft verantreiben.

00:13:34: Auch da muss eine Regierung immer aufpassen dass sie die nicht so sehr bestraft weil sonst gehen die in ein anderes Land?

00:13:39: Wir haben ja Reisefreiheit!

00:13:41: Das ist so das wo ich unzufrieden bin beim Steuersystem und das andere Thema der Arbeitsmarkt.

00:13:48: Wenn wir denken, wir sind in einer anderen Welt also vor zehn oder zwanzig Jahren.

00:13:52: Wir arbeiten im Homeoffice.

00:13:54: Wir haben mobiles Arbeiten das nutzen wir ja auch beide gerne.

00:13:57: und in einem mobilen Arbeiten da kann man nicht so starre Arbeitszeitregelungen haben wie wir sie bisher haben Auch mit der Arbeitszeiterfassung und dem dass man bestimmte Ruhezeiten einhalten muss Das ist nicht mehr modern und zeitgemäß.

00:14:09: Da ist die Regierung nicht dran gegangen.

00:14:12: Und dann ist noch so ein Problempunkt von Deutschland.

00:14:15: Wir Deutschen arbeiten übers Jahr gesehen echt wenig, also im Vergleich der Industrieländer eigentlich am wenigsten und da müsste man auch was machen.

00:14:23: Dass wir wieder mehr arbeiten damit die Unternehmen auch noch mal dadurch wettbewerbsfähig werden.

00:14:29: aber auch da hat sich die Regierung leider nicht dran getraut.

00:14:32: Und was heißt das?

00:14:33: Wir arbeiten wenig

00:14:36: Wir haben viele Feiertage.

00:14:37: Wir haben relativ kurze Arbeitszeiten, wir haben viele Urlaubstage und das alles insgesamt heißt dann die Jahresarbeitsstunden sind im Vergleich mit anderen Ländern geringer.

00:14:49: Und jetzt können wir uns.

00:14:50: natürlich kann sich jede und jeder von uns aussuchen was es unserem liebsten wäre.

00:14:53: aber Vielleicht muss man auch einfach nur sagen, wenn wir schon weniger arbeiten dann muss das über die Löhne ausgeglichen werden.

00:15:00: Dass man dann halt weniger Geld kriegt.

00:15:01: Einfach nur damit die Unternehmen von den Löhnen her wieder wettbewerbsfähiger werden.

00:15:06: Ich muss noch mal betonen ich habe es ja vorhin schon gesagt China hat so viel aufgeholt.

00:15:10: Die leisten so viel ähnlich gut wie Deutschland aber zu deutlich niedrigen Kosten und unsere Unternehmen haben da keine Chance mehr.

00:15:18: Wenn ich dir jetzt zuzuhöre, Gabriele, dann habe ich schon den Eindruck du bist zwar froh dass unsere Regierung Reform angeht aber so ganz zufrieden bist du doch nicht.

00:15:29: Ja allerdings muss man ganz ehrlich sagen wer ist schon zufriedengrade bei Ergebnissen die immer die Folge von Kompromiss sind?

00:15:39: also Ich bin alt genug das ich weiß Das was aus meiner Sicht perfekt ist das bekomme ich nie.

00:15:46: Auch deshalb nicht, weil mein Perfekt nicht dein Perfkt ist und auch nicht das Perfek von dem anderen Menschen.

00:15:52: Also der tolle große Wurf auch da unterscheiden sich die Meinungen ja oft sehr.

00:15:58: Das Thema Demokratie – wir sind froh, dass wir in einer Demokratie leben, die kompromisse erarbeitet.

00:16:04: Aber es ist auch so diese vierunddreißig Einzelmaßnahmen zu einem richtig großer Bogen ist auch nichts zu erkennen.

00:16:12: Nicht zu unterschätzen, ich habe es vorhin schon gesagt psychologische Wirkungen.

00:16:15: Allein die Tatsache dass unsere Regierung jetzt den Mut gehabt hat dieses Reformpaket auf dem Tisch zu legen sich darauf zu einigen ist schon ein wirklich positives Signal und allein das macht mich dann schon glücklicher.

00:16:28: Da bist du ja aber vielleicht eine der wenigen zumindest wenn man so ein bisschen verfolgt wie die Leute sich dazu auch auf Social Media äußern.

00:16:38: wir sind ja aber auch als Meckerer So ein bisschen bekannt, warum sollt ihr Volkswerte deine

00:16:43: Ausnahme sein?

00:16:44: Das stimmt.

00:16:45: Also wir Deutschen sind ja bekannt als diejenigen, die eher alles kritisch sehen und meine Kolleginnen und Kollegen sind insgesamt auch nicht so ganz glücklich mit dem Paket.

00:16:53: aber ganz ehrlich also wenn wir jetzt nicht zufrieden sind und wenn das jetzt nur der erste Wurf ist das ist völlig okay so und ich bin mir recht sicher dass wir noch viel mehr Reform brauchen Deutschland wirklich wettbewerbsfähig bleiben möchte, wenn wir unseren Wohlstand erhalten wollen beziehungsweise auch weiterwachsen wollen.

00:17:11: Denkt nur mal unsere drei großen Schlüsselindustrien also Automobil Maschinenbau Chemie.

00:17:20: denen ist eigentlich das Geschäftsmodell weitgehend weggebrochen.

00:17:23: Das meiste macht China manches braucht die Welt nicht mehr.

00:17:27: Wir verlieren da.

00:17:28: wir verlieren jetzt auch Arbeitsplätze.

00:17:29: das kann jede und jeder in der Presse ja lesen.

00:17:33: Die Konkurrenz hat aufgeholt Wir sind zu teuer geworden.

00:17:36: Technologisch haben wir nicht mehr den Vorsprung, aber da darf man ja nie resignieren und das war schon immer so, dass irgendwelche Schlüsselindustrie dann irgendwann verloren haben.

00:17:44: Wichtig ist jetzt, dass wieder neue Ideen kommen, dass unternehmerische Ideen kommt, wieder neue Produkte, neue Dienstleistungen – und das gibt es immer!

00:17:55: Wir Deutschen sind da wirklich auch sehr kreativ, Die Unternehmen brauchen dann auch die Freiheit, das durchzuziehen und auch eine gewisse Sicherheit gerade in Sachen Regulatorik.

00:18:04: Dass sie diese Geschäftsmodelle dann auch wirklich möglich zum Erfolg bringen können.

00:18:09: Und da ist das Thema Bürokratieabbau von Regulatorik ganz wichtig!

00:18:15: Du hast jetzt auch davon gesprochen, dass aus deiner Sicht noch mehr Reformen nötig werden.

00:18:19: Aber im Augenblick ist ja noch nicht mal sicher, dass die geplanten Reform überhaupt durchgeführt werden können?

00:18:25: Also es sind nur Pläne, die zuerst noch durch den Gesetzgebungsprozess durchkommen müssen!

00:18:30: Und da habe ich schon auch Angst an das jetzt im parlamentarischen Prozess, dass diese Reformen, die sowieso schon eher zackhaft sind, dass sie dann nochmal verwässert werden oder vielleicht sogar gar nicht kommen,

00:18:40: wer weiß... Was würde dann

00:18:42: passieren?!

00:18:42: Zum einen Also wenn sie jetzt verwässert werden, dass ein bisschen noch mal abgehobelt wird von diesen Reformen dann sind die positiven Wirkungen geringer.

00:18:52: Die positive Stimmung, die man tatsächlich zum Teil spürt – du hast ja gesagt in den Social Media ist es vielleicht nicht ganz so beliebt aber insgesamt die Unternehmen sagen ja schon da kommt jetzt so ein bisschen wenigstens Schub diese positive Stimmung würde verloren gehen, wenn's verwässerd wird und Also wenn die Reformen jetzt nicht kommen, dann wird unser Wachstum in Deutschland immer schwächer werden.

00:19:14: Wir werden tendenziell vielleicht sogar eine sinkende Wirtschaftsleistung haben – wer weiß?

00:19:18: Und die alten Probleme gehen nicht weg und werden ja eher noch mal größer.

00:19:22: Das heißt alles was jetzt nicht gemacht wird an Reformen bedeutet dass wir in Zukunft noch mehr und noch härtere Reformen brauchen und deshalb hoffe ich jetzt auch das der Großteil der Reformen auch so durchkommt.

00:19:34: Vielleicht gibt es hier sogar nochmal ein bisschen mehr davon, wer weiß!

00:19:37: Wenn ich so Umfragen anschaue, von denen man ja immer wieder liest.

00:19:40: Ich habe den Eindruck dass die Bevölkerung insgesamt in Deutschland reformbereit ist weil die Menschen merken es muss sich was verändern und wir verlieren.

00:19:48: Und wir dürfen auch nicht vergessen wenn wir jetzt nicht verändern wenn die Regierung nicht zeigt da kommt ein Rucks und Veränderungsruck Dann ist das Risiko dass sich politisch noch mehr die menschenrichtung render.

00:20:01: also extreme rechte extreme linke parteien dann orientieren ist auch größer.

00:20:05: Und wir wollen ja schon, dass unsere Demokratie mit einer großen Mitte politischen Mitte erhalten bleibt.

00:20:11: Also insofern kommt auch hier nochmal mein Wunsch viel Mut zur Reform zu haben jetzt für die Region.

00:20:18: Dann lass uns vielleicht noch mal auf ein bisschen positiveres Thema wechseln bevor wird soviel Trübser blasen.

00:20:24: Du hast gerade schon gesagt, die Unternehmen grundsätzlich eher positiv gestimmt mit Blick auf das Reformpaket.

00:20:30: Wie haben denn die Märkte auf die Ankündigungen reagiert?

00:20:33: Und da war ich total überrascht!

00:20:36: Das hätte ich nicht gedacht, dass die Aktienmärkte tatsächlich reagiert haben auf das reformpaket.

00:20:41: also in den Tagen nach der Bekanntkabel von den vierunddreißig Maßnahmen hat der DAX plötzlich so einen richtigen Schuss gemacht und ist nochmal auf neue Allzeithochs gegangen Obwohl der eigentlich vorher immer dem Rest der Welt so in Tachen Aktienmärkte hinterher gedümpelt ist.

00:20:59: Also Allzeithochs erreicht, das ist das eine Blödwerte.

00:21:02: natürlich, dass kurz danach wieder USA Iran der Konflikt ein bisschen eskaliert ist.

00:21:07: Der Ölpreis ist deutlich hoch gegangen aber sogar In der Phase hat sich der DAX besser gehalten als andere Aktienindices wo man wirklich merkt Dass die Märkte jetzt den deutschen Unternehmen da mehr zutrauen und wissen, dass sie dadurch wieder Kraft gewinnen können wenn diese Reform durchgezogen werden.

00:21:25: Heißt das jetzt für Anlegerinnen und Anlegers, dass Sie von den Reformen sogar profitieren könnten?

00:21:29: Ja

00:21:30: ganz klar!

00:21:30: Also wer Aktien besitzt, wer deutsche Aktienbesitz profitiert davon, dass die Aktienkurse gestiegen sind und prinzipiell also wenn Unternehmen bessere Bedingungen haben erwirtschaften sie mehr Gewinne.

00:21:42: höhere Gewinnen d.h.

00:21:43: eben für die Aktientkurs in den Schub.

00:21:45: Wir wissen ja beide immer mit Schwankungen natürlich und es kann auch noch andere Einflussfaktoren geben, die dann dazu führen dass das nicht so hoch geht.

00:21:52: Aber tendenziell solche Reformen bessere Wachsumsaussichten verbessern auf die Aussichten für Aktien steigern die Aktienkurse.

00:21:59: Interessanterweise ist es auch für Rentengut also für Zinspapiere gerade Staatsanleihen.

00:22:04: Also deutsche Staatsanleihen.

00:22:06: wenn man sich überlegt der deutsche Staat hat ja steigende Schulden.

00:22:09: Wenn jetzt diese Reformen da anpacken, wenn sie dran gehen dass die deutschen Staatsschulden nicht so stark steigen.

00:22:16: Vielleicht sogar eine Zeit lang nur seitwärts sich bewegen oder was auch immer.

00:22:18: also auf jeden Fall wenn die Entwicklung bei den Staatsschulen besser ist als sie bisher aus bisheriger Sicht gewesen wäre dann bedeutet das dass die Rentenmärkte positiv reagieren?

00:22:30: Also ganz konkret!

00:22:31: Wenn Staatsschulnen stark steigend werden die Rentennärkte skeptischer dann werden tendenziell Renditen steigen.

00:22:39: Umgekehrt, wenn sich die Aussichten verbessern heißt das, dass tendenziell die Renditen eher niedriger sind.

00:22:45: Vielleicht sogar sinken und sinkende Renditen heisst Kursgewinne bei den Renten also auch da.

00:22:51: oder wenn man es vielleicht ein bisschen haptischer macht.

00:22:54: Tendenziellen niedrige Renditen, niedrigere Zinsen heißt Es ist allgemein das Wirtschaften günstiger und damit profitieren auch die Rentenmärkte.

00:23:03: Und heißt es dann im Umkehrschluss, dass die Märkte schlechter laufen würden?

00:23:06: Wenn wir jetzt in Deutschland keine Reform haben?

00:23:09: Ja, also das ist tatsächlich das Problem.

00:23:12: Wenn die Reformen jetzt nur so halbherzig oder gar nicht durchgeführt werden, dann wird der Schub an den Aktienmärkten wieder rausgehen.

00:23:18: Also ob die Aktienkurse werden, denn jetzt will er zurück gehen und deutsche Anleihen werden auch schlechter sich entwickeln im Wert wobei man daneben eben doch immer sagen muss Die deutschen Unternehmen sind ja global aufgestellt.

00:23:30: Die haben globale Märkte.

00:23:33: Sie sind dann zum Glück doch nicht so stark von der deutschen Wirtschaft abhängig.

00:23:36: aber am Ende ist eh die Frage auch bei den großen global aufgestellten Unternehmen, wie lange die noch in Deutschland bleiben, wenn hier sich überhaupt nichts ändert und anpasst.

00:23:46: Und umso wichtiger also für uns als Anlegerin das wir aufpassen dass wir nicht nur in heimische Titel investieren sondern auch global und breit gestreut?

00:23:55: Diese berühmte Homebuyestern ja denen du da gerade ansprichst.

00:23:58: Also beim Geldanlegen ist es um so wichtig, dass wir global investieren damit wir nicht doppelt abhängig sind von der heimischen Wirtschaft denn Abhängig sind wir sowieso schon.

00:24:08: Hier ist unser Arbeitsplatz, hier ist unsere Umfeld.

00:24:11: Also wenn da nichts wächst dann haben wir schon ein Problem und in unseren Geldanlagen, wenn wir die weltweit streuen, dann haben gewissermaßen eine Hetschne Absicherung gegen heimische Probleme.

00:24:22: Dann bleiben wir doch auf jeden Fall gespannt und werden sicherlich in naher Zukunft, wenn da eine Entscheidung ansteht auch nochmal über das Reformpaket berichten.

00:24:30: Und bis dahin Tanja wünsche ich unserer Regierung wirklich den Mut dass sie diese Reform durchziehen, insbesondere auch gerade so mit Blick auf den Arbeitsmarkt.

00:24:42: Vielen lieben Dank, Gabriele!

00:24:43: Du hast in dieser Folge einen kritischen Blick auf die Reformpläne unserer Bundesregierung geworfen und ich denke fest steht das Reform zwar meist schmerzhaft sind, aber auch notwendig um zukunftsfähig zu bleiben.

00:24:55: Falls ihr Fragen zu dieser Folge habt oder generell zu anderen Themen rund um die Geldanlage oder auch einen Themenwunsch dann schreibt uns gerne jederzeit eine E-Mail an podcastatdk.de.

00:25:07: Wir hören uns hoffentlich hier in zwei Wochen wieder.

00:25:09: Vielen Dank und

00:25:10: bis bald!

Über diesen Podcast

Money on her Mind ist der Deka-Podcast von Frauen für Frauen, der sich mit Themen rund um Wertpapiere, Female Empowerment und finanzielle Unabhängigkeit auseinandersetzt. Er richtet sich vor allem an Frauen, die sich für Wertpapiere interessieren, aber bislang wenig oder noch keine Berührungspunkte mit der Geldanlage hatten. Ob Altersvorsorge, Budgetplanung oder auch das Erklären von wichtigen Finanzbegriffen, Money on her Mind ist unterhaltsam, informativ und vor allem nahbar.

von und mit DekaBank

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